Die Arena von Stephen King
21.5.23Rezension:
Mit seinen stolzen 1.280 Seiten ist Die Arena von Stephen King definitiv keine leichte Wochenendlektüre. Doch nachdem ich Friedhof der Kuscheltiere beendet hatte, packte mich direkt wieder das King-Fieber. Also dachte ich mir: Warum es nicht einfach mit diesem monumentalen Wälzer versuchen? Ein bisschen Sorge hatte ich allerdings schon, dass sich die Geschichte an manchen Stellen ähnlich zäh wie Der Anschlag ziehen könnte. Und ja, die eine oder andere Länge gab es hier und da tatsächlich – aber glücklicherweise nicht so extrem wie im Vergleichsband.
Auf den ersten fünfhundert Seiten schaffte es Stephen King mühelos, mich komplett in den Bann zu ziehen. Danach war für mein Empfinden allerdings erst einmal die Luft ein wenig raus. Die Figuren sind zwar gewohnt stark gezeichnet und man merkt sofort, dass Dale „Barbie“ Barbara, Rennie, Junior und Julia Shumway die tragenden Säulen der Geschichte sind. Dennoch hatte ich im Mittelteil das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Wie schon erwähnt: Die Arena ist kein Buch für zwischendurch. Für diesen Schmöker sollte man sich Zeit nehmen. King schüttelt hier ein hochkomplexes Beziehungsgeflecht aus dem Ärmel, das zwar seine Längen hat, mich aber durch die vielschichtigen Charaktere – die man entweder liebt oder abgrundtief hasst – bei der Stange halten konnte.
Nachdem die Durststrecke in der Mitte überwunden war, nahm die Geschichte endlich wieder an Schwung auf und wurde richtig rasant. Als in der abgeriegelten Kleinstadt Chester’s Mill die Lebensmittel rationiert werden sollen, passt das den Bewohnern verständlicherweise überhaupt nicht. Der daraufhin entstehende Aufruhr endet blutig, gewaltsam und brutal.
Ab diesem Moment wird die schleichende Anarchie in der Stadt deutlich spürbar und die Gemeinschaft spaltet sich in zwei unversöhnliche Lager: Diejenigen, die auf der Seite des skrupellosen Big Jim Rennie stehen, und diejenigen, die sich gegen ihn auflehnen.
Das Buch ist unheimlich komplex und detailreich. Aber was wäre ein echter King-Krimi ohne die plötzlichen, unvorhersehbaren Momente, in denen Charaktere auf grauenvolle Weise sterben oder einer Figur völlig die Sicherungen durchbrennen? Es sind genau diese tiefen psychologischen Abgründe, die mich immer wieder fasziniert und zum Weiterlesen angetrieben haben.
Als sich die Geschehnisse immer weiter zuspitzten, konnte ich das Buch schließlich gar nicht mehr aus der Hand legen. Die lang ersehnte Auflösung rückte in greifbare Nähe. Obwohl ich anfangs fest davon überzeugt war, dass die mysteriöse Kuppel das Resultat eines fehlgeschlagenen Militärexperiments sei, hat mich die tatsächliche Erklärung völlig überrascht.
Allerdings zeigte sich hier für mich ein typisches King-Phänomen: Wie in so vielen seiner Bücher kam mir die endgültige Auflösung im Vergleich zum monumentalen Aufbau viel zu kurz. Da hätte ich mir einfach ein wenig mehr erhofft.
Fazit:
Trotz der spürbaren Längen im Mittelteil ist Die Arena ein absolut lesenswertes Buch. Man sollte allerdings Geduld und Konzentration mitbringen, da in diesem Wälzer unheimlich viele Dinge gleichzeitig passieren. Weil King aber immer wieder unerwartete Ereignisse einstreut, die die Handlung – wenn auch manchmal schleppend – vorantreiben, wird es nie wirklich langweilig. Für echte Stephen-King-Fans ein absoluter Pflichtkauf!
Verlag: Heyne / Seiten: 1.280 / Genre: Roman / Einband: Taschenbuch / Übersetzer: Wulf Bergner / Preis: 13,99 Euro (D) / ISBN: 978-3-453-43523-0 /

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