Als Sohn einer Bauernfamilie führt der unbedarfte Yuva ein unbeschwertes Leben. Sein Tag beginnt und endet unter freiem Himmel. Doch als die Prinzessin des Reiches in den gefürchteten Drachenturm verschleppt wird, der einst vom Himmel fiel, findet sein idyllischer Alltag ein jähes Ende: Yuva wird von den königlichen Rittern eingezogen, die jenen Turm erstürmen wollen. Doch der Aufstieg ist ein wahrer Höllenritt – denn die mutigen Kämpfer erwarten einhundert Stockwerke, jedes bevölkert von grausamen Kreaturen, die nur auf den nächsten Eindringling lauern …
Rezension
Im Zentrum des Mangas steht der unbedarfte, aber hilfsbereite Bauernjunge Yuva, der in eine scheinbar aussichtslose Mission hineingezogen wird. Die königliche Garde ist beauftragt, die entführte Prinzessin aus dem geheimnisvollen Drachenturm zu befreien, und Yuva findet sich plötzlich an vorderster Front wieder. Trotz seiner Stärke, wird er von den anderen nicht bevorzugt behandelt und muss sich so mit Aufgaben wie schwere Salzfässer zu schleppen beauftragt, welches zur Vernichtung eines Monsters benötigt wird. Was nach einem klassischen Abenteuer klingt, entpuppt sich in Wahrheit als brutaler Survival-Trip: In jedem der einhundert Stockwerke des Turmes lauern düstere Kreaturen und Monster. Yuva muss sich gegen Untote und schleimige Bestien behaupten um seine Kameraden zu beschützen und ganz nebenbei im Eiltempo den Schwertkampf erlernen.
Der erste Band von Tower Dungeon besticht dabei durch den unverkennbaren, rohen und skizzenhaften Zeichenstil von Tsutomu Nihei. Während der Mangaka sonst für Sci-Fi-Kultwerke wie Blame! bekannt ist, wagt er hier erstmals den Schritt in das Dark Fantasy-Genre. Sein meisterhafter Blick für gigantische Architektur, gewaltige Größenverhältnisse und düstere Räume passt perfekt zum Dungeon-Setting. Da Tower Dungeon fast gänzlich ohne lange Dialoge und Erklärungen auskommt, verlässt sich Nihei voll auf starkes visuelles Erzählen. Man wird wie Yuva direkt ins kalte Wasser geworfen, wodurch sich der Auftaktband dank der eindringlichen Bilder und dynamischen Action-Choreografien in einem Rutsch durchliest.
Genau hier liegt für mich jedoch auch die Schwachstelle: Die Figuren sind auf das Nötigste reduziert, wodurch sie auf mich zu oberflächlich bleiben und mir die emotionale Bindung fehlte. Etwas mehr erzählerische Tiefe hätte diesem ansonsten sehr kurzweiligen Auftakt gut getan. Das Ende, in dem wir etwas mehr über die Umstände der Mission erfahren und einen weiteren Blick in die Welt bekommen, macht das Fehlen der anfänglichen Tiefe zwar nicht ganz wett, aber immerhin Lust auf mehr. Ich hoffe, dass in den folgenden Bänden etwas mehr Zeit für Charakterentwicklung und Weltenbau verwendet wird.
Wer auf bildgewaltiges Storytelling, düsteres Dungeon-Crawling und Anlehnungen an Werke wie Berserk oder Dark Souls steht, macht hier nichts falsch. Tower Dungeon ist ein Auftakt zu einer mehrbändigen Mangareihe mit Luft nach oben.
Verlag: Manga Cult | Seiten: 160 | Genre: Manga, Fantasy | Einband: Softcover | Übersetzer: Christina Rinnerthaler | Preis: 10,- (D) | ISBN: 978-3-7573-0735-6





