Rezension:
Lionel Page, Journalist aus Chicago, hat sich darauf spezialisiert, Scharlatane auffliegen zu lassen. Doch als er von einem Kollegen aufgesucht wird, der damit droht, Lionels eigene düstere Vergangenheit ans Licht zu bringen, sieht er sich gezwungen, einen Pakt mit der mysteriösen Regina Dunkle einzugehen. Sie ist eine mächtige und überaus reiche Frau. Ihre einzige Bedingung, damit Lionels Geheimnisse für immer ruhen, lautet: Er soll ein verschollenes Manuskript von Edgar Allan Poe aufspüren. In New York angekommen, trifft er in einer Hotelbar auf die reizende Maddie. Beide sind anfangs nicht ehrlich zueinander. Als Lionel seinem ersten Hinweis auf das Manuskript nachgeht, stößt er prompt auf eine brutal ermordete Leiche. Seltsam ist nur, dass er kurz zuvor Maddie dabei beobachtet hat, wie sie fluchtartig den Tatort verließ.
Immer wieder scheint Maddie Lionel einen Schritt voraus zu sein und ständig kreuzen sich ihre Wege. Schließlich stellt sich heraus, dass Regina Dunkle sie beide auf dieselbe Mission angesetzt hat. Als es ihnen gelingt, das Manuskript bei einer Versteigerung aufzuspüren, bricht Lionels bisheriges Weltbild komplett zusammen: Er wird Zeuge, wie einer jahrtausendealten Göttin eine Opfergabe dargebracht wird und muss kurz darauf die Existenz echter schwarzer Magie miterleben. Lionel, der bisher überzeugter Atheist war, gerät ins Wanken. Zu allem Überfluss kommt ihm der Mann, der diese dunkle Magie nutzt, erschreckend bekannt vor – seine tragische Vergangenheit holt ihn ein. Der mysteriöse Magier stiehlt das Manuskript, und Lionel und Maddie sind gezwungen, zusammenzuarbeiten.
Auf diesem Weg finden die beiden auf romantische Weise zueinander. Gemeinsam entdecken sie, dass es in New York scheinbar keine Geister mehr gibt, weil ein dunkler Hexer mysteriöse Apparaturen in der Stadt versteckt hat, die die Seelen der Verstorbenen aufsaugen und speichern. Lionel rutscht immer tiefer in die magische Unterwelt von New York, trifft auf menschenfressende Ghule, Götter, Hexen sowie Unsterbliche – und ganz nebenbei erweckt Maddie in ihm selbst magische Kräfte.
Craig Schaefers Schreibstil liest sich sehr flüssig; da sind schnell mal hundert und mehr Seiten in einem Rutsch geschafft. Ich mochte die okkulten und mythischen Anspielungen und besonders die clevere Verknüpfung zu Edgar Allan Poes berühmter Geschichte Die Tatsachen im Fall Waldemar. Allerdings dauerte es für meinen Geschmack gut zweihundert Seiten zu lange, bis die Story endlich an Fahrt aufnimmt. Anfangs liest sich das Ganze eher wie eine Mischung aus Thriller, Krimi und Romanze. Meiner Meinung nach hätte man auf den romantischen Subplot, der auf mich sehr konstruiert wirkte, gut verzichten können. Diese überstürzt wirkende Liebesgeschichte zwischen Lionel und Maddie bremst die eigentliche Handlung aus und verpasst der Spannung einen unschönen Dämpfer. Zudem triefen die Dialoge vor Humor und Sarkasmus, was der Ernsthaftigkeit der Lage einiges an Gewicht nimmt. Mit Humor in Romanen ist es bei mir ohnehin immer so eine Sache: Mal funktioniert es, mal nicht. Hier zündeten die Gags anfangs noch, aber mit fortschreitender Handlung war bei mir nicht mehr als ein müdes Schmunzeln drin.
Ich möchte das Buch aber keineswegs nur negativ bewerten. Abgesehen davon, dass hier und da mal ein Wort im Satz fehlte, Tippfehler vom Lektorat übersehen wurden und sich manche Redewendungen auffällig oft wiederholten, hat mir Die Geister von New York durchaus gefallen. Ich wurde einige Stunden lang gut unterhalten – aber eben auch nicht mehr. Obwohl wir in Rückblenden mehr über Lionels und Maddies Vergangenheit erfahren, blieben mir beide Charaktere letztlich etwas zu blass, sodass ich für keinen der beiden echte Sympathien entwickeln konnte. Auch die Auflösung der gesamten Geschichte war für mich ein wenig zu vorhersehbar. Einzig der finale Twist um den Fall Waldemar konnte mich am Ende wirklich überraschen.
Fazit:
Insgesamt betrachtet lässt sich das Buch gut mit einem typischen Hollywood-Blockbuster vergleichen: Man bekommt solide Charaktere, einen interessanten Plot und gute Unterhaltung geliefert, aber das gewisse Etwas fehlt einfach. Ich bin mir daher noch unschlüssig, ob ich zur Fortsetzung greifen werde. Nach diesem ersten Band kann ich eigentlich ganz gut einen Schlussstrich ziehen, denn eine brennende Neugier auf mehr hat das Ende nicht in mir hinterlassen.
Verlag: Heyne / Seiten: 568 / Genre: Urban-Fantasy / Einband: Klappenbroschur / Übersetzer: Michael Siefener / Preis: 16,00 Euro / ISBN: 978-3-453-32126-7 /



