Rezension
Es ist das Jahr 1992 und Barcelona bereitet sich fieberhaft auf die Olympischen Spiele vor, als zwei Aliens genau dort landen. Der Techniker Gurb und sein Kapitän reisen bereits seit Jahrhunderten gemeinsam durchs All, um fremde Zivilisationen auszukundschaften. Dieses Mal haben sie den Auftrag, die Erde genauer unter die Lupe zu nehmen. Um nicht die Aufmerksamkeit der einheimischen Fauna auf sich zu ziehen, beschließen sie, menschliche Gestalt anzunehmen. Doch gleich bei der ersten Kontaktaufnahme passiert das Unglück: Gurb verschwindet spurlos in der Großstadt und sein Kapitän muss sich auf eine völlig irrwitzige Spurensuche begeben.
Nachdem sich der Kapitän ein Bankkonto (das er dank seiner außerirdischen Fähigkeiten von 25 Peseten kurzerhand um 14 Nullen erweitert) und eine Wohnung zugelegt hat, stolpert er ineffizient durch den menschlichen Alltag. Ständig passieren ihm skurrile Missgeschicke: Durch zu viel Alkoholkonsum landet er im Gefängnis, wird mehrfach überfahren oder verliert zwischendurch einfach mal Körperteile. Besagter Alkoholkonsum sorgt auch für heftige Filmrisse. So kommt es, dass eines Morgens Handwerker klingeln und in seiner Wohnung eine Sauna, eine Tanzfläche, einen Jacuzzi und eine hypermoderne Küche einbauen – und das auf gerade einmal 60 Quadratmetern Wohnfläche, wohlgemerkt! Da ist am Ende nicht nur der Kapitän erstaunt, sondern auch der Leser. Was genau an diesen mysteriösen Kneipenabenden alles schiefgelaufen ist, klärt sich leider nie ganz auf, aber einige Nachbarn und Bewohner der Stadt nehmen dem Kapitän seine nächtlichen Eskapaden sichtlich übel.
Während seiner Zeit in Barcelona freundet sich der tollpatschige Außerirdische mit einem älteren Ehepaar an, das eine kleine Kneipe betreibt. Der Kapitän ist dort Dauergast und springt sogar mutig als Wirt ein, als die Frau des Pärchens ins Krankenhaus muss. Das Problem: Er hat absolut keine Ahnung von menschlichen Gerätschaften. Er scheitert an der Kaffeemaschine, am Wasserhahn und im Grunde schon am eigenen Reißverschluss. Es kommt, wie es kommen muss: Der Kapitän vermasselt im Laden einfach alles. Das Ganze geschieht jedoch auf eine so charmante und liebenswürdige Art und Weise, dass man ihm einfach nicht böse sein kann. Doch neben all dem alltäglichen Wahnsinn läuft die Suche nach seinem verschollenen Kollegen unentwegt weiter. Und bis er Gurb endlich findet, bleibt in Barcelona garantiert kein Stein auf dem anderen...
Fazit:
Durch die radikale Außenseiterperspektive des Außerirdischen ist es Eduardo Mendoza meisterhaft gelungen, der menschlichen Gesellschaft mit all ihren absurden Eigenheiten den Spiegel vorzuhalten. Neben der herrlich humorvollen und skurrilen Geschichte in Nichts Neues von Gurb schwingen zwischen den Zeilen immer wieder die ganz großen Fragen nach Identität, dem Anderssein und der Suche nach dem eigenen Platz auf der Welt mit. Ein erfrischendes, unfassbar komisches Buch, das trotz allem Slapstick auch wunderbar zum Nachdenken anregt – eine absolute Leseempfehlung!
Verlag: Hobbit Presse, Klett-Cotta / Seiten: 176 / Genre: Roman / Einband: Hardcover / Übersetzer: Matthias Strobel / Preis: 20,00 Euro (D) / ISBN: 978-3-608-98771-3



