»Das Windsor-Komplott« von S. J. Bennett
20.11.232016. Wie immer verbringt die Queen die Ostertage auf Windsor Castle mit einem privaten Fest, zu dem allerhand Würdenträger und Künstler geladen sind. Doch eines Morgens findet man den Pianisten tot in seinem Zimmer auf: nackt, nur mit einem violetten Gürtel um den Hals. Die Queen ist schockiert - vor allem darüber, dass ihr Geheimdienstchef sofort gewagte Theorien aufstellt: Die Tat sei ein Anschlag Putins, ausgeführt durch einen russischen Schläfer, der sich schon lange im königlichen Haushalt herumtreibt ... Hier muss sofort eingeschritten werden, aber diskret! Durch die Blume bittet die Queen ihre neue Privatsekretärin Rozie um Hilfe - eine junge Frau aus Nigeria, die ebenso wohlerzogen wie nahkampferfahren ans Werk geht. Die Lösung des Falles ist eine Prüfung, die sie unbedingt bestehen will. Die nächsten Wochen halten so manche Überraschung für Rozie bereit - doch die allergrößte ist das Vorgehen der Queen ...
Rezension:
Auf Schloss Windsor hat die Queen zu einer privaten Feier geladen. Unterhalten werden die hochkarätigen Gäste vom russischen Pianisten Maksim Brodsky, der am späten Abend sogar noch eine kesse Sohle mit der Queen aufs Parkett legt. Doch kaum einen Tag später ist ebenjener Pianist tot. Die Queen erkennt sofort, dass es sich hierbei keineswegs um einen tragischen Selbstmord handelt. Da sie den offiziellen Ermittlungen nicht vollends traut, beauftragt sie diskret ihre neue stellvertretende Privatsekretärin Rozie damit, geheime Nachforschungen anzustellen, während das MI5 parallel im Dunkeln tappt. Rozie muss jedoch äußerst vorsichtig vorgehen – und ehe sie sich versieht, gerät sie selbst ins Visier des Mörders.
Mit einem wunderbar lockeren und leichten Schreibstil gewährt uns S. J. Bennett einen Blick hinter die streng bewachten Mauern von Schloss Windsor und den Buckingham Palace. Gespickt mit viel britischem Humor begleiten wir die Queen und ihre taffe Privatsekretärin Rozie dabei, wie sie dem Täter Schritt für Schritt auf die Schliche kommen. Das Miträtseln und Beobachten, wie die Queen im Hintergrund ihre logischen Schlüsse zieht, hat mir wirklich großen Spaß gemacht. Dennoch hatte ich eine Erwartung an das Buch, die leider nicht ganz erfüllt wurde: Ich hätte die Queen gerne noch aktiver in Aktion erlebt. Natürlich ist es protokollarisch nicht einfach, das königliche Oberhaupt für verdeckte Ermittlungen unters Volk zu bringen, aber genau das hätte unglaublich viel zusätzliche Situationskomik in diesen Kriminalroman bringen können.
Hin und wieder hat mich die eigentliche Kriminalhandlung leider etwas verloren. Manche Fortschritte im Fall Brodsky konnte ich nicht ganz nachvollziehen; es fühlte sich stellenweise so an, als würden der Queen und Rozie die entscheidenden Indizien eher durch glückliche Zufälle in den Schoß fallen. Dafür mochte ich die Atmosphäre des Romans außerordentlich gern. Jedes Mal, wenn wir der Queen bei ihrem Alltag und ihrer Arbeit über die Schulter schauen durften, hatte die Geschichte fast schon etwas Heimeliges. Da diese detaillierten Beschreibungen und das königliche Flair gefühlt jedoch fast den gesamten Roman ausmachen, geriet der eigentliche Mordfall zeitweise ein wenig zu sehr in den Hintergrund. Zum Glück fängt sich die Geschichte zum Finale hin wieder: Als Rozie in einer U-Bahn angegriffen wird, kehrt die dringend benötigte Spannung in die Handlung zurück und man möchte unbedingt wissen, wer hinter dem Anschlag steckt.
Fazit:
Das Windsor-Komplott ist ein eigenwilliger, recht geradliniger Cosy Crime mit interessanten Charakteren, dessen Auflösung mich am Ende allerdings ein wenig konfus und hin- und hergerissen zurücklässt. Dennoch werde ich die Fortsetzung definitiv lesen – das Potenzial der Reihe ist riesig und für den nächsten Band ist hier definitiv noch Luft nach oben!
Ich bin gespannt ...
Verlag: Knaur / Seiten: 320 / Genre: Krimi / Einband: Festeinband mit Schutzumschlag / Übersetzer: Werner Löcher-Lawrence / Preis: 18,00 Euro / ISBN: 9783426227404

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