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Die zwei Seiten eines Buches - Nicos Bücherstube

Die zwei Seiten eines Buches

30.3.25

Es ist der 29. März 2025. Kurz vor Mitternacht. Noch während ich diese Worte schreibe, überlege ich, wie ich diesen Beitrag am besten Beginne. Da blinkt der Cursor seelenruhig vor sich hin auf dem weißen digitalen Papier. Ein Anblick, der mir wohlvertraut ist. So viele Möglichkeiten, wie ein Satz beginnen kann und ich bin gezwungen, eine dieser Möglichkeiten in Worte zu verpacken. Würde ich es nicht tun, würde die Seite leer bleiben. Dabei habe ich mir fest vorgenommen, diese und viele weitere Seiten zu befüllen.

Gelesen - so richtig, dass ich mir ein Buch ausgesucht und gelesen habe, habe ich erst seit ich 13 Jahre alt war (das war 2008, vor meinem 14 Geburtstag und vorher waren zwar die Harry Potter-Bücher bereits in meinem Besitz, aber die Filme fand ich damals spannender). Das erste Buch, welches ich mir freiwillig ausgesucht habe, war, Die Geheimnisse des Nicholas Flamel - Der unsterbliche Alchemyst von Michael Scott. Das Buch habe ich während eines zweiwöchigen Urlaubs gelesen. Es hat mich so sehr in seinen Bann gezogen, dass ich das Buch in wenigen Tagen ausgelesen hatte. Was gut und schlecht zugleich war, denn ich hatte nichts Weiteres zu lesen dabei.

Danach herrschte eine lange Lesepause. Bis Dezember 2011. Von meinem Weihnachtsgeld habe ich mir damals einen türkisen Taschenbuchschuber von Harry Potter gekauft und die Bücher kurz darauf verschlungen. Nach und nach kamen die restlichen Bände der Nicholas Flamel-Reihe dazu, die ich in den darauffolgenden Jahren gut eingeteilt habe, um sie nicht in einem Rutsch auszulesen - ich wollte so lange Zeit wie möglich die Charaktere verfolgen und in ihrer magischen Welt verweilen. Wenige Monate später, fing ich an über meine gelesenen Bücher zu bloggen, es folgten meine ersten Rezensionsexemplare, die ich als Blogger angefragt habe: Die Insel der besonderen Kinder von Ransom Riggs, GRIM - Das Siegel des Feuers von Gesa Schwartz. Bücher die ich in wenigen Tagen verschlungen und sehnsüchtig auf deren Fortsetzung gewartet habe.

Noch im selben Jahr, 2012, begann ich, die ersten Zeilen zu einer Geschichte aufzuschreiben. Die Idee überkam mich plötzlich. Es war ein warmer, sonniger Tag, ich war in der Schule gewesen. Wir hatten Pause und ich unterhielt mich mit einem Freund und plötzlich war da diese Idee. Sie hat mich nicht losgelassen. Wenige Tage später fing ich mit dem Schreiben an. Ich schrieb einfach darauf los. Ich war Feuer und Flamme. Der Protagonist der Geschichte war mir ähnlich, doch gab ich ihm einen magischen Twist. Es sind einige hundert Seiten entstanden, doch zufrieden war ich nie mit dem Ergebnis. 2015 habe ich dann die erste Fassung beendet, mit der ich zufrieden war - und auch wieder nicht. Ich schrieb eine neue Fassung, die ich Anfang 2016 beendete und kurz darauf löschte - wofür ich mich heute noch sehr in den Allerwertesten treten könnte. 

Schreiben ist harte Arbeit. Es ist nicht einfach nur Figuren und interessante Handlungen auszudenken. Eine Figur braucht Tiefe, sie muss dem Leser ab dem ersten Moment soweit sympathisch sein, dass der Leser zur nächsten Seite umblättert und  wissen möchte, wie es weitergeht. Die Welt, in der die Handlung spielt, muss stimmig sein. Die Atmosphäre muss zur Geschichte und deren Figuren passen. Die Handlung braucht Konflikte, die am besten bereits auf der ersten Seite eine Anspielung auf das Ende oder das Schicksal einer Figur beinhaltet und die Handlung vorantreibt. Schreiben ist eine kreative Arbeit, die Überwindung, Mut und Durchhaltevermögen kostet. Geschichten zu schreiben ist ein Handwerk. Ich habe in den letzten Jahren unzählige Schreibratgeber gelesen, Interviews von Autoren gelesen und angeschaut- oder gehört, die ich bewundere. Die mir im kreativen Schaffen ihres Lebens ein Vorbild sind und bleiben.

In den letzten Jahren habe ich einige Texte geschrieben: Kurzgeschichten, Miniaturen, Fragmente, Gedichte.

Einige dieser Texte haben es seit 2023 in die eine oder andere Anthologie geschafft, worüber ich mehr als glücklich bin, denn niemand konnte mir vorher sagen, dass der Text, der vorher hinter einem blinkenden Cursor versteckt war, auch einmal auf Papier gedruckt, hunderte Leser erreichen wird - geschweige denn, von den Lektoren für gut genug befunden werden würde, in der Anthologie aufgenommen zu werden. Doch der Moment, die eigene Geschichte (egal, ob kurz oder lang), gedruckt in Händen zu halten, ist etwas unbeschreiblich Schönes.

Als Leser von Geschichten kann ich nicht schnell genug die Fortsetzung des soeben beendeten Buches meines Lieblingsautoren in Händen halten. Nicht nur mir geht es so, da gibt es auch viele andere Leser. Als Buchhändler, begegnen mir täglich viele Buchliebhaber, die auf einen neuen Fitzek, Simon Beckett, Klaus Peter Wolf, eine neue Nele Neuhaus, Nina Ohlandt, Eva Almstädt und viele andere tolle Autoren gespannt warten. Doch auch wenn ich bereits einige Texte geschrieben habe - die nicht mit einem Fitzek oder einer J. K. Rowling vergleichbar sind, kann ich auch den kreativen Prozess der Leute hinter den Geschichten verstehen. Schreiben ist Arbeit und manchmal muss man sich dazu zwingen, denn der Abgabetermin sitzt im Nacken. Das kann zwar die Kreativität des einen oder anderen Autoren beflügeln, den anderen Autoren, versetzt das vielleicht in Schockstarre. Dann warte ich doch lieber ein wenig länger und bekomme dafür ein qualitativ gut geschriebenes Buch, als eine schnell dahingetippte Geschichte. Manchmal ist es doch ganz gut, sich in Geduld zu üben. Vorfreude ist doch bekanntlich die schönste Freude. Ganz dicht gefolgt vom Moment, das Buch endlich Händen halten zu können.

Ich kann es verstehen, wenn man ungeduldig auf die Fortsetzung einer Lieblingsreihe oder ganz und gar auf ein neues Buch eines Lieblingsautoren wartet. Es gibt Geschichten, die schreibt man an wenigen Tagen, Wochen oder Monaten. Andere Geschichten brauchen Jahre oder Jahrzehnte, bis man das magische Wort ENDE schreiben kann. Doch viele Leser kennen leider nicht den Prozess, der hinter der Entstehung mancher Geschichten steckt. Da gibt es Kriminalromane, die akribisch geplant werden, damit der Leser auf jeder Seite miträtseln kann. Dann gibt es ganze fantastische Welten, mit exotischen Bewohnern, ausgeklügelten Lebewesen, Magiesysteme, Mythologien und fesselnden Intrigen, die gesponnen werden müssen. Oder die Texte, an denen der Autor eine besondere Note durch einen bestimmten Schreibstil verleihen möchte und an jedem Satz so lange schleift, bis am Ende ein wahrer literarischer Diamant erstrahlt. Die Entstehung eines Buches ist zeitintensiv. Vom Lektorat, Korrektorat, und der ganzen Produktion im Verlag, bis hin zum Vertrieb in den Buchhandel, vergehen schon einmal Jahre. Seid also nicht enttäuscht, wenn das neuste Buch eures Lieblingsautoren noch auf sich warten lässt. Ich bin mir sicher, dass etwas Tolles am entstehen ist.

Hin und wieder kommt es beim Schreiben von Geschichten vor, dass die Figuren die Zügel selbst in die Hand nehmen und die Handlung in eine ganz andere Richtung lenken, als der Autor es sich vorher ausgedacht hat. So ist mir das gerade auch mit diesem Beitrag passiert.

Ich wollte diesen Beitrag eigentlich dafür nutzen, euch meine Kurzgeschichten vorzustellen, die in den letzten zwei Jahren in Anthologien und Heftromane erschienen sind. Doch jetzt ist ein Artikel über die Ungeduld des Lesers ihren Autoren gegenüber entstanden. Auch ich muss mich als Leser zu den Ungeduldigen zählen - die Ungeduld liegt wohl in der Natur des Lesers, denke ich, denn wenn keine Leser warten würden, gäbe es mit Sicherheit keine Autoren, die ihre Geschichten erzählen.

Jetzt, während ich diese letzten Worte tippe, ist der 30. März 2025, kurz nach ein Uhr.

Mein ursprünglich geplanter Beitrag steht dann wohl auf einer anderen Seite ...

Bildnachweis: unter Verwendung eines Motivs von H_Ko, Adobe Stock

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