Dreihundert Jahre bevor alles anfing ... Toskana, 1703. Der Krieg gegen Mevolent ist im vollen Gang und die Toten Männer werden nach Italien entsandt. Nicht um den Erzfeind endlich zu besiegen, sondern um ihn zu retten. Ein apfelgroßes Loch in der Realität hat einen Zugang zur Hölle freigelegt, hinter dem ein mächtiges Wesen lauert. Und nur Mevolent ist in der Lage, es wieder zu schließen. Eine einfache Mission, wenn da nicht Nefarian Serpine wäre, der Mann, der dreizehn Jahre zuvor Skulduggery und seine ganze Familie umgebracht hat.
Rezension
Dreihundert Jahre, bevor alles anfing. Dreihundert Jahre vor Walküre Unruh. Das dachte ich jedenfalls, als ich das neueste Buch aus der Skulduggery Pleasant-Reihe von Derek Landy in die Hand nahm. Die Inhaltsangabe ließ auf einen eigenständigen Band deuten, den man völlig unabhängig von der Hauptreihe lesen kann. Doch dem ist leider ganz und gar nicht so. Doch worum geht es überhaupt in Die Hölle bricht los?
Es sind bereits einige Jahre vergangen, seit Nefarian Serpine Skulduggery und dessen Familie umgebracht hat. Merkwürdigerweise ist Skulduggery als wandelndes Skelett wieder zum Leben erwacht, und eine unbeschreibliche Wut wütet in ihm. Er brennt auf Rache an Serpine, doch die aktuelle politische Lage lässt das einfach nicht zu. Skulduggery befindet sich in der Toskana, zusammen mit seiner legendären Truppe, den „Toten Männern“. Sie wurden dorthin geschickt, um ausgerechnet ihren Erzfeind Mevolent zu retten. Was nach einer absurden Mission klingt, wird schnell bitterer Ernst: Ein gottähnliches Wesen rekrutiert hinter einer mysteriösen Öffnung namens La Porta dell'Inferno bereits seine finsteren Anhänger. Die Zeit läuft den Toten Männern unaufhaltsam davon, und Skulduggery fällt es unheimlich schwer, Nefarian und Mevolent nicht auf der Stelle zu eliminieren. Doch er muss sich zusammenreißen, denn nur Mevolent besitzt die nötige Macht, um das Portal zur Hölle wieder zu schließen. Als die Situation schließlich völlig ausweglos scheint, bekommen die Toten Männer unerwarteten Besuch – und zwar aus der fernen Zukunft.
Die Hölle bricht los ist offiziell der Band 15,5 der Reihe. Ich muss gestehen, dass ich bisher nur die ersten vier Bände kenne (die restlichen stehen zwar schon im Regal, warten aber noch darauf, gelesen zu werden). Durch den Klappentext bin ich dem Irrtum anheimgefallen, es handele sich hierbei um eine reine Vorgeschichte, die man problemlos zwischendurch einschieben kann. Leider wurde ich da spätestens ab Seite 117 eines Besseren belehrt, und ich befürchte, mich nun in einigen Punkten unwissentlich massiv gespoilert zu haben.
Doch von diesem Frust einmal abgesehen, hat mich das Buch ziemlich überrascht – und ich weiß ehrlich gesagt bis jetzt noch nicht so recht, wie ich es letztendlich finden soll. Derek Landys Schreibstil in diesem Band ist kaum noch mit dem der ersten Skulduggery-Bücher vergleichbar. Mir fehlten hier einfach der altbekannte, spritzige Humor und die messerscharfen Dialoge, für die ich die Reihe anfangs so lieben gelernt habe. In diesem Zwischenband wirkt der Stil streckenweise leider etwas lustlos und zu trocken; die Pointen wollten bei mir einfach nicht zünden. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass viel zu viel geredet und die Handlung dadurch künstlich in die Länge gezogen wurde – fast so, als hätte der Autor versucht, eine eigentlich kurze Geschichte auf Romanlänge aufzublasen. Das ging leider massiv auf Kosten der Spannung. Zudem blieb die Kulisse blass: Würde in der Inhaltsangabe nicht stehen, dass die Geschichte in der Toskana spielt, hätte sie auch sonst wo in Italien angesiedelt sein können. Die typische Atmosphäre kam überhaupt nicht rüber, und gäbe es nicht die Erwähnung der La Porta dell'Inferno, würde man das Setting gar nicht bemerken. Dadurch wirken leider nicht nur die Figuren und ihre Dialoge etwas farblos, sondern das gesamte Buch verliert an Stimmung.
Fazit:
Am Ende ist Die Hölle bricht los eine solide Geschichte mit einem eher trockenen Schreibstil, die mich zwar ganz gut unterhalten konnte, aber bei Weitem nicht an die Genialität der früheren Bände heranreicht. Ich weiß natürlich, dass sich der Stil eines Autors über die Jahre verändert, aber in diesem Fall empfinde ich die Entwicklung leider nicht als positiv. Ich hoffe sehr, dass die regulären Folgebände dieses Manko wieder wettmachen können, denn ich weiß ganz genau, dass Derek Landy es viel besser kann!
Verlag: Loewe / Seiten: 240 / Genre: Fantasy / Einband: Klappenbroschur / Übersetzer: Franca Fritz und Heinrich Koop / Preis: 14,95 Euro (D) / ISBN: 978-3-7432-1773-7
