Saubere Luft als Mangelware, Roboter mit Existenzängsten, sprechende Pflanzen - Wenn wir morgen sagen nimmt uns mit auf eine rasante Zeitreise in die Zukunft eines Planeten, dessen Ressourcen wir gnadenlos ausgenutzt haben. Zwischen Utopie und Dystopie, Horror und Comedy werden in dieser Hörspielserie fünf Zukunftsszenarien entworfen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, und sich doch alle mit den zentralen Fragen unserer Zeit beschäftigen: Was wird aus uns werden? Wie werden wir leben?
Seit jeher ist die Menschheit fasziniert von dem, was vor ihr liegt - entwirft Zukunftsvisionen, die mal dystopisch, mal utopisch sind. Wenn wir morgen sagen verspricht fünf ganz unterschiedliche Zukunftsszenarien, die ebenso mitreißend wie schockierend sind.
Rezension:
Wenn wir morgen sagen – ein Titel, der fast schon philosophisch anklingt. Nach jeder dieser Geschichten war ich unweigerlich dazu verleitet, mich zu fragen: Was kommt als Nächstes? Was wird der Morgen für die Protagonisten bringen, in einer Welt, die der Mensch fast vollkommen zerstört hat? Dieses Hörspiel vereint fünf düstere Zukunftsvisionen, eine schrecklicher als die andere. Auch wenn das, was die Menschheit der Erde angetan hat, absolut nicht zu entschuldigen ist, ist es psychologisch noch viel erschreckender zu hören, wie die Figuren in diesen Szenarien um ihr nacktes Überleben kämpfen müssen. Da ist es am Ende kein Wunder, dass der eine oder andere Charakter schlicht den Verstand verliert und wahnsinnig wird...
Jede der fünf jeweils einstündigen Geschichten entführt den Hörer in ein völlig anderes Subgenre. Zu Beginn erwartet uns mit Pandora ein dystopischer Psychothriller im ewigen Eis. Darauf folgt Der Bienenstock, ein rasanter Sci-Fi-Krimi, in dem sauberer Sauerstoff zur absoluten Mangelware geworden ist und zombieähnliche Wesen – sogenannte „Schlucker“ – sich auf alles und jeden stürzen, das auch nur im Geringsten kostbare Luft ausströmt. Der Bienenstock war für mich, was das visuelle Kopfkino anging, zusammen mit der Episode Der Löwenanteil am heftigsten, ohne an dieser Stelle zu viel verraten zu wollen. Am meisten zum Nachdenken hat mich hingegen die Geschichte Aryta gebracht. Aryta ist eine Androidin, deren nahende Deaktivierung sie plötzlich vor die ganz großen, existenziellen Fragen des Lebens stellt. Die letzte Geschichte, Viola, bricht als Tragikomödie ein wenig aus dem Muster aus und lässt den Horror der vorhergehenden dystopischen und apokalyptischen Erzählungen für einen Moment verfliegen. Hier begleiten wir den Radiomoderator Patrick Lavalle, der seit der Trennung von seiner Frau an schwerem Liebeskummer leidet. Aus dieser dunklen Lebensphase hilft ihm ausgerechnet ein kleines Stiefmütterchen heraus. Doch genau diese Blume nimmt mit jedem weiteren Tag mehr Platz in seinem Leben ein und stellt Patrick bald vor eine bizarre, schwierige Entscheidung.
Die Sprecherinnen und Sprecher haben in diesem Hörspiel durch die Bank weg wunderbare Arbeit geleistet. Einige Stimmen stechen dabei für mich besonders hervor, namentlich Cathlen Gawlich, Constantin von Jascheroff und Sarah Alles. Auch das detailreiche Sounddesign und die atmosphärische musikalische Untermalung, die mich von ihrer epischen Qualität her sofort an einen großen Kinoblockbuster erinnerten, kann ich an dieser Stelle nur in höchsten Tönen loben. Die gesamte Geräuschkulisse ist so meisterhaft abgemischt, dass ich die ganze Zeit über das Gefühl hatte, mitten im Geschehen zu stehen.
Fazit:
Wer dystopische Geschichten, gespickt mit schwarzem Humor, philosophischen Fragen und einer ordentlichen Portion Horror liebt, sollte sich dieses Werk unbedingt auf die Ohren geben. Allein der hochkarätigen Besetzung zuzuhören, ist ein wahrer Hörgenuss!
Verlag: Audible / Autoren: Valérie Maureau, Noémie Landreau, Sélim Azzazi, Latishka Babel, Romain Protat, Loïc Flameng, Sarah Brau-Mouret, Amélie Adelin / Sprecher: Axel Prahl, Cathlen Gawlich, Arianne Borbach, Marie Walke, Constantin von Jascheroff, Jeremias Koschorz, Sarah Alles / Genre: Hörspiel, Science-Fiction / Spieldauer: 4 Std. und 54 Min.
